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Raschid al-Daïf© Markus Kirchgeßner |
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| »Raschid al-Daïf kann nicht nur aufgrund der ungewöhnlich hohen Auflagenziffern seiner Romane – im letzten Jahr wurde nach mehreren Einzelnachdrucken sein gesamtes bisheriges Werk neu aufgelegt – als einer der bedeutendsten Erzähler in der modernen arabischen Literatur gelten. Er zeichnet sich auch durch einen – in der arabischen Literatur seltenen – ironischen Sprachstil und eine radikale Kulturkritik aus. Die Erfahrung einer gefährlichen Verwundung
und der Nähe des Todes hat sich vor allem in seinen frühen
Romanen: »Die kurze Zeit vor Morgengrauen« (1986) und »Lieber
Herr Kawabata« (1995), tief eingeprägt – zwei Werke,
die als Bruch des Schweigens über den Bürgerkrieg im Libanon
und als harte Kritik an den kriegstragenden Ideologien in der arabischen
Welt viel Aufsehen erregten und inzwischen zum Lehrstoff internationaler
Universitäten gehören.« »Ein Interesse an der Darstellung der Erfahrungen einer ganzen Generation durchzieht auch den Roman »Lieber Herr Kawabata« des Libanesen Raschid al-Daïf, einen höchst originellen und teils beklemmenden Briefmonolog an den langst verstorbenen, japanischen Schriftstellerkollegen Yasunari Kawabata. Es ist die 'Beichte' eines Vertreters jener Generation, die in den unabhängig gewordenen Libanon hineingewachsen ist, katapultiert von einer dörflichen Umgebung, wo selbst die Kugelform der Erde noch Anlass zu Streit gab, in einen hauptstadtlastigen Staat, in dem sich verschiedene Gruppen, Cliquen, Parteien, Bewegungen bis zur fast völligen Zerstörung des Landes bekämpften. Kawabata ist weit weg. Nicht nur tot, sondern
auch einer fremden, und zwar einer nicht-westlichen Kultur entstammend.
Ein Europäer konnte nie angemessener 'Beichtvater' sein. Das wurde
einen Erzähler verdächtig machen. Zu tief sind Europäer
in die Probleme, ja, die Misere des Libanon und seiner Nachbarländer
verstrickt. Da bleibt nur ein Japaner, ein toter. Mit seinem Roman »Lieber
Herr Kawabata« hat sich Raschid al-Daïf 1995 ein weiteres
Mal als einer von denjenigen libanesischen Intellektuellen gezeigt,
die sich über die Verstrickung in den Burgerkrieg Gedanken machen.
Mit seiner Darstellungsart, die kühle Betrachtung mit intensivem
Nachbohren und Nachfragen und mit gelegentlichem qualvollem Aufschreien
verbindet, hat er einen bemerkenswerten Beitrag zur ›Aufarbeitung‹
geleistet.« Bibliografie Text in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche
Geschichten«: Raschid al-Daïf Während des Krieges heiratet er (1976) und wird Vater eines Sohnes. Er übt den Krieg hindurch seinen Lehrberuf ununterbrochen weiter aus, wenn auch durch die Verhältnisse bedingt reduziert. 1978 legt er an der Université de Paris V eine zweite Doktorarbeit (DEA) im Fach Linguistik zum Thema »Die linguistische Situation in den arabischen Ländern. Arabische Dialekte und klassisch-arabische Sprache« vor. 1979 veröffentlicht er erste Gedichte. Es folgen weitere Sammlungen 1980 und 1982, die aber erst 1992 veröffentlicht werden. Während des Höhepunktes des Bürgerkrieges wird Raschid al-Daïf 1983 von einer Granate am Hals getroffen – mit beinahe tödlichem Ausgang. Es wird Monate dauern, bis er sich von den verschiedenen chirurgischen Eingriffen wieder erholt hat. 1983 wechselt al-Daïf auch das Genre und schreibt eine seiner ersten literarischen Abrechnungen mit den abgelebten Ideologien und Zukunftsträumen – den Roman »Der Tyrann«. Seinen ersten internationalen Erfolg erreicht al-Daïf drei Jahre später mit dem Roman »Ausgeliefert zwischen Müdigkeit und Schlaf«, der inzwischen in englischer und französischer Sprache erschienen ist und in der Schweiz verfilmt wurde, International Aufsehen erzielte al-Daïf 1995 mit seinem bisher größten Erfolg »Lieber Herr Kawabata«. Dieser Roman wurde bislang acht Sprachen übersetzt. Zum Weiterlesen: |