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Gamal al-Ghitani© Samuel Shimon |
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| »Die Zeit und die Veränderungen,
die sie mit sich bringt, die Brüchigkeit des Lebens. das Schicksal.
die Vergänglichkeit – das sind zentrale Themen im erzählerischen
Schaffen eines der bedeutendsten und produktivsten Prosaschriftsteller
im zeitgenössischen Ägypten, Gamal al-Ghitani. Dass der Autor
sich mit solchen Grundfragen menschlicher Existenz beschäftigt,
legt schon seine Biographie nahe. Denn wie bei vielen anderen seiner
Generation, die in der Hochzeit des Nasserismus heranwuchsen. hat es
auch im Leben al-Ghitanis mehrere gewaltige Umbrüche gegeben. Die
prägende Phase des eigenen Lebens fiel mit den entscheidenden Momenten
der ägyptischen Nachkriegsgeschichte zusammen.« »Ganz unterschiedlich, quer durch die Zeiten und in wechselnder
Form. behandelt er sein Thema. wobei die Texte immer kürzer werden,
bis nur noch drei Worte dastehen. So bildet sein Buch gleichsam selbst
eine Pyramide. Die Mythen und Abenteuer rund um die Pyramiden werden
intelligent und mitunter ironisch in den Geschichten aufgegriffen, etwa
wenn al-Ghitani die Expedition einer Gruppe von sieben zu den legendären
Grabkammern beschreibt. (...) In seinem Buch über die Pyramiden
verbindet al-Ghitani Legenden und Massentourismus, Erzählen und
Wissen. Reise-Impression und Poesie zu einem literarischen Kunststück.
Eine poetische Expedition zu den berühmtesten und geheimnisvollsten
Bauten der Welt von einem der wichtigsten arabischen Autoren. « »›Seini Barakat‹ ist ein Roman über vielerlei.
Es ist der Versuch einer Interpretation des Unterganges der Mamlukenherrschaft
in Ägypten und ist gleichzeitig der Versuch einer umfassenden Kritik
am ägyptischen System der Nasserzeit (1952-1970). Das Buch ist
eine Darstellung vom Entstehen und Schwinden von Illusionen. sei es
bei einzelnen oder bei der Bevölkerung insgesamt, und von der Zerstörung
von Menschen im Getriebe politischer Machtkonstellationen. Es ist außerdem
eine Schilderung des Auf-die-Füße-Fallens, von Menschen in
Führungspositionen also, die jedweden Machtwechsel unbeschadet
überstehen. Es ist schließlich eine Parabel für die
alte Volksweisheit, wonach Wissen Macht ist. « Bibliografie (Werke auf deutsch, Auswahl) Text in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche
Geschichten«: Gamal al-Ghitani Al-Ghitani gilt als einer der bedeutendsten ägyptischen Autoren der Gegenwart. Er ist einer der großen Erzähler Ägyptens, der sich wie kaum ein anderer mit der geschriebenen arabischen Erzähltradition beschäftigt hat, um diese für die Gegenwartsliteratur umzusetzen. Seine Geschichten erzählen von Kairo und seinen Einwohnern; das historische Kairo nutzt er als Folie für die Reflexion der Gegenwart der Stadt. In seinen Werken geht es dem Autor vor allem um die konkrete Darstellung der vielschichtigen Mechanismen von Machtkonzentration, Kontrolle und Unterdrückung, die zur Etablierung und Stärkung totalitärer, diktatorischer Regimes führen. Sein Roman »Seini Barakat. Diener des Sultans. Freund des Volkes« (1988/1996) zeigt dies beispielhaft: Vor dem Hintergrund eines historischen Ereignisses zu Beginn des 16. Jahrhunderts zeigt al-Ghitani das Muster, nach dem sich Diktaturen entwickeln – eine im mittelalterlichen Kairo spielende Parabel auf die Nasser-Ära. Al-Ghitani war 18 Jahre alt, als er 1963 begann, Artikel und Kurzgeschichten in ägyptischen und libanesischen Zeitschriften zu veröffentlichen. Seine kritische Haltung gegenüber der Regierung Gamal Abd el-Nassers brachte ihn von Oktober 1966 bis März 1967 in ein Gefangenenlager. Nach seiner Freilassung wurde er Sekretär der Künstlergewerkschaft in Chan al-Chalili in Kairo. Schließlich wechselte er das Fach und wurde 1969 Journalist bei der ägyptischen Tageszeitung »Akhbar al-Youm« (»Tagesnachrichten«). 1973 war er ihr Kriegskorrespondent an der israelisch-ägyptischen Front. Und besuchte außerdem Kriegsgebiete im Irak, im Iran und im Libanon. Einige Monate später war er schon ohne Arbeit: er wurde auf Veranlassung des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat entlassen. Die Bedeutung al-Ghitanis für die ägyptische Literatur der Gegenwart wird deutlich in einem Text des Literaturwissenschaftlers M. Enani, der in der »Middle East Times« publiziert wurde: »Es mag voreilig sein, Gamal al-Ghitani als den Machfus des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen, aber er ist der offensichtliche Erbe des augenblicklichen Souveräns. Er hat nicht nur Machfus’ genaue Charakterzeichnung und Situationsbeschreibung übernommen, sondern auch diese Qualität, den Ton zu treffen und die Atmosphäre.« Die enge Verbindung, die immer wieder zwischen den beiden Schriftstellern gezogen wird, rührt auch daher, dass Ghitani die Biografie seines Kollegen Machfus schrieb (1980 und 1987). 1980 wurde al-Ghitani mit dem Ägyptischen Staatspreis für
Literatur ausgezeichnet. Zum Weiterlesen: |