Westöstlicher Diwan
Amir Hassan Cheheltan Amir Hassan Cheheltan

Der iranische Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan definiert die iranische Problematik als Verzögerung der Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne. Die Intellektuellen diskutieren, ob der Schah nur schlecht war oder doch gute Seiten hatte. Gelegentlich heißt es, er habe viele Straßen gebaut und Universitäten errichtet.
Martin Amanshauser in: »Das gefälschte Volk«, Die Presse (Wien) vom 20.01.2007

Seine frühen Erzählungen, insbesondere aus »Das stumme Fenster« handeln von einfachen, traditionell orientierten Stadtbewohnern. In zumeist monologischer Form lässt der abwesende Autor seine Figuren und Charaktere von ihrem Alltag und ihren Konflikten erzählen, die sie mit Hilfe einer Mischung aus Religiosität und Aberglauben zu bewältigen versuchen. Dabei erschafft er immer wieder hinreißende, das Alltägliche transzendierende Szenen und Visionen.
Susanne Baghestani »Amir Hassan Cheheltan – ein Porträt«, 2007

Große Beachtung im In- und Ausland fand der 2003 erschienene Kurzroman »Teheran, Stadt ohne Himmel« von Amir Hassan Cheheltan, der in der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg (als Alliierte in Teheran stationiert waren) und dem Iran-Irak-Krieg der achtziger Jahre spielt. Seine Hauptfigur ist unfähig, sich von der Vergangenheit zu lösen – während des Zweiten Weltkriegs widerfuhren dem damals jungen Protagonisten traumatische Erlebnisse, die ihn zu einem ewig Fremden in seiner Teheraner Umgebung machen. Die iranische Tageszeitung »Sharq« bezeichnete das Buch als »einen der politischsten Romane der zeitgenössischen iranischen Literaturgeschichte«.
Azar Attar in einem Bericht über die Teheraner Buchmesse, in: FAZ vom 6. Mai 2005

In seinen Romanen setzt Cheheltan sich immer wieder mit der wechselvollen iranischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts auseinander. So werden in »Der Spiegelsaal« (1990) aus weiblicher Perspektive die historischen Umstände und Ereignisse der Konstitutionellen Revolution von 1906 erzählt, die zum Sturz der Qadjaren-Dynastie führte, und die als Geburtsstunde der Moderne in Iran gilt.
Susanne Baghestani »Amir Hassan Cheheltan – ein Porträt«, 2007

Cheheltan ist ein vorsichtiger, aber standhafter Mann. Inzwischen hat er sich durch regelmäßige Publikationen im Ausland einen Namen erworben, der es seinen Gegnern nicht leicht macht, seine Meinungen zu übersehen. In der FAZ erwähnt er das Verbot der Festlichkeiten zum Internationalen Frauentag ebenso wie die Vollversammlung des Schriftstellerverbands, die nicht stattfinden konnte.
Martin Amanshauser in: »Das gefälschte Volk«, Die Presse (Wien) vom 20.01.2007

Bibliografie
In persischer Sprache (Farsi) erschienen seit 1976 sechs Romane und fünf Erzählbände sowie ein Filmskript (im Detail siehe unter »Zum Weiterlesen« in: Porträt von Susanne Baghestani).
Sein letzter Roman Achlagh-e mardom-e chiaban-e enghelab (Die Sitten der Menschen der Revolutionsstraße) ist noch unveröffentlicht.

In deutscher Übersetzung liegen keine Veröffentlichungen der Romane und Erzählungen vor; ein Auszug aus »Die Sitten der Menschen der Revolutionsstraße« kann von dieser Website herunter geladen werden (siehe »Zum Weiterlesen«).

Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichte seit 2004 insgesamt 13 Essays von Amir H. Cheheltan, zuletzt:
Die Kontrolle der Imagination durch die Zensur (FAZ vom 2. Januar 2007)
Gott behüte – Irans Blick auf den Westen (FAZ vom 29. Mai 2006)
Iran unter Artenschutz – Westliche Missverständnisse (FAZ vom 6. April 2006)
Weitere Essays erschienen in der Süddeutschen Zeitung, zuletzt: Teheran – Letzte Station vor der Hölle (SZ vom 10. April 2007)

Texte in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche Geschichten«:
»Die Sitten der Menschen der Revolutionsstraße«, Auszug aus dem bisher unveröffentlichten Roman,
in: »LiteraturNachrichten« Juni 2007

Amir Hassan Cheheltan
ist 1956 in Teheran geboren. Noch während des Studiums der Elektrotechnik an der Teheraner Universität veröffentlich er seine ersten beiden Werke. Mit den Erzählungen aus »Am stummen Fenster« gelingt Cheheltan nur wenige Monate vor Ausbruch der Islamischen Revolution im Februar 1979 der schriftstellerische Durchbruch.

In den Jahren 1979-1981 beendet er sein Studium an einer Universität in der Nähe von London. Bei seiner Rückkehr – inzwischen ist der Iran-Irak-Krieg ausgebrochen – wird er zum Wehrdienst an die Front eingezogen. Als man seine technischen Kenntnisse wahrnimmt, wird er zur Instandsetzung der Notstromaggregate in das Generalstabsquartier hinter der Front versetzt. In dieser Zeit schreibt er seinen ersten Roman »Die Klage um Qassem«, die bedrückende Geschichte eines jungen Studenten, der von der SAVAK, dem Geheimdienst des Schahs entführt wird. Der Roman darf erst 2002, knapp zwanzig Jahre später erscheinen.

Nach Beendigung seines Wehrdiensts 1985 arbeitet Cheheltan als beratender Ingenieur am Zentrum für Wissenschaft und Forschung in Teheran. Dort betätigt er sich die folgenden dreizehn Jahre als Sachverständiger für die Evaluierung von ausländischen medizinischen Geräten und Anlagen – und schreibt weiter.

Im Frühjahr 1999 erhält er ein Stipendium des Internationalen Schriftstellerparlaments. Zusammen mit seiner Frau, einer Zahnärztin, und dem kleinen Sohn bereist er Europa und lässt sich schließlich als Writer in Residence in Certaldo in der Toskana nieder. Hier entsteht sein vierter Roman »Teheran, Stadt ohne Himmel«.

Nach zwei Jahren kehrt Cheheltan 2001 nach Teheran zurück. Eine Wiederanstellung als beratender Ingenieur erweist sich als unmöglich. Fortan widmet er sich ganz dem Schreiben. Seitdem veröffentlichte er neben weiteren Romanen und Erzählbänden auch ein Filmskript sowie Essays. Inzwischen leitet er den Literatur-Workshop der renommierten Literaturzeitschrift Karnameh.

Bis 2004 betreute er als Chefredaktor die Online Literaturzeitschrift Sokhan und war Juror für die Vergabe des Sadegh Hedayat Literaturpreises für Kurzgeschichte (bis 2005). Seit 2001 ist Cheheltan im Vorstand des Iranischen Schriftstellerverbands.

Zum Weiterlesen:
Amir H. Cheheltan – ein Porträt
von Susanne Baghestani (Pdf-Dokument, 111 K)
>> Download

Auszug aus Die Sitten der Menschen der Revolutionsstraße (Pdf-Dokument, 107 K)
>> Download

Christian Fogg, Gespräch mit A.H. Cheheltan, gesendet in WDR 5 am 26. Juni 2006 (Pdf-Dokument, 28 K)
>> Download

Website von Amir H. Cheheltan (teilweise auch in deutscher Sprache)
www.cheheltan.com

»Von Berlin nach Teheran« Webblog von Amir H. Cheheltan während seines Aufenthalts in Deutschland im Sommer 2007 – 10 Folgen auf Farsi – bei Deutsche Welle Online
www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2542746,00.html

Zusammenfassung auf Deutsch:
www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2615298,00.html