Westöstlicher Diwan
Ulrike Draesner Ulrike Draesner

»Wenn Ulrike Draesner Gedichte schreibt, gibt sie den Verstand nicht preis. Und wenn sie sich in Prosa äußert, leugnet die das Poetische nicht. Sie bewegt sich schreibend zwischen Intellektualität und Geheimnis, zwischen der Klarheit des Begriffs und dem Alphabet einer sehr persönlichen Mythologie. Und sie ist bei all dem eine urbane Zeitgenossin, immer neugierig den gesellschaftlichen Entwicklungen auf der Spur und stets begierig das dabei Erfahrene und Erkannte für die Literatur, für ihr Schreiben nutzbar zu machen. Also zu erobern.«
Jochen Hieber über Ulrike Draesner anlässlich der Verleihung des
Friedrich-Hölderlin-Preises

»Literatur und die Erkenntnis, die sie transportiert, besteht für mich ganz wesentlich daraus, Verbindungen aufzuweisen, Verbindungen, die man typischerweise oder dem Klischee nach nicht sieht, die vielleicht auch neu entstanden sind. Das sind Momente, in denen dann zwei Funken zusammenschießen und etwas Neues entsteht. Solche Augenblicke, die einen zum Staunen bringen, etwas anregen und einen Gedanken durch ein Bild schaffen, das würde ich als den Kern meines Schreibens bezeichnen und – auf der anderen Seite – auch meiner Leselust.«
Ulrike Draesner im Gespräch mit Rolf Bernhard Essig, in: »Neue Deutsche Literatur«, Heft 6/2003

»Ulrike Draesner hat es glänzend verstanden, dieses Spannungsverhältnis und die Wut in zwei Sprachebenen zu fassen, die sie in- und aufeinanderschiebt: lakonische, umgangssprachlich-flapsige Wendungen treffen auf Ausdrücke, die wie Manierismen wirken, tatsächlich aber funkelnde Splitter einer zerbrochenen Freude sind. Man schneidet sich daran oder spiegelt sich darin - ganz wie man will und kann.«
Michael Jeismann Rezension zu »Hot Dogs« in: FAZ vom 24. März 2004

Bibliografie
»gedächtnisschleifen«, Gedichte, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1995
»anis-o-trop«, Sonettkranz, Rospo Verlag, Hamburg 1997
»Lichtpause«, Roman, Volk & Welt, Berlin 1998
»Reisen unter den Augenlidern«, Erzählungen, Ritter, Wien 1999
»: to change the subject«, Radikalübersetzungen der Shakespearesonette, Wallstein, Göttingen 2000
»für die nacht geheuerte zellen«, Gedichte, Luchterhand 2001
»Mitgift«, Roman, Luchterhand 2002
»Hot Dogs«, Erzählungen, Luchterhand, München 2004
»Spiele«, Roman, München 2005
» kugelblitz«, Gedichte, München 2005

Texte in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche Geschichten«:
» Ich wollte nur wissen, wer ich bin« ist veröffentlicht in: FAZ vom 15.4.2004
Die Gedichte »cbrt rntl« sind Auszüge aus einem unveröffentlichten Gedichtzyklus »Marokko«

Ulrike Draesner
wurde 1962 in München geboren. Sie studierte Jura, Germanistik, Anglistik und Philosophie in München, Salamanca und Oxford. Nach ihrer Dissertation, die Wolframs Parzival zum Gegenstand hatte, lehrte Draesner vier Jahre am Institut für Deutsche Philologie in München.

Daneben veröffentlichte sie in Zeitschriften, Zeitungen und beim Rundfunk. 1993 gab sie die Dozentur auf da sie merkte, dass die akademische Arbeit nicht mehr mit ihrem Schreiben zu verbinden war und entschied sich für eine Existenz als Schriftstellerin.

1994 erhielt sie das Literaturstipendium der Stadt München, 1995 den Leonce-und-Lena-Förderpreis, 1996 war sie Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude, 1997 wurde ihr der Staatliche Förderpreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums zuerkannt und 2002 war sie die erste Trägerin des Preises der deutschen Literaturhäuser.

Ihren erste Gedichtband gedächtnisschleifen veröffentlichte Ulrike Draesners 1995.
Schon in diesen Gedichten fällt auf, was sich als Merkmal auch späterer Texte Draesners festhalten lässt: sie sind beherrscht von sprachlicher Präzision, die bewusst desorientiert, und von Elementen der Erinnerung und der Wahrnehmung, die überscharf fixiert, aber nicht erklärend oder deutend integriert werden.

Und im 2001 publizierten Gedichtband »für die nacht geheuerten zellen« befinden sich Verse, deren Sprachkraft mit Gottfried Benns besten Gedichten verglichen werden kann. Ihre Wortgewandtheit findet sich auch in ihren Prosawerken wieder. 1998 veröffentlichte Draesners ihr Romandebut Lichtpause, 2002 folgt Mitgift , um nur einige zu nennen. Draesner hat die Methoden ihres Schreibens mit Techniken der »Montage«, der »Sichtung«, der »Stimmkreuzung und -überlagerung« und der Collagierung erklärt. Alle diese Praktiken sind auch Mittel der »klassischen« Moderne. Die freie Autorin lebt seit 1996 in Berlin.

Zum Weiterlesen:
Ulrike Draesner
www.draesner.de