Westöstlicher Diwan
Judith Kuckart Judith Kuckart

Judith Kuckart hat als Choreographin und Literaten den Grenzweg zwischen Körper und Text selbst beschritten. Körperliche Präsenz im Text, politische Inhalte im Tanz, das sind Themen ihrer Arbeit.
Johannes Odenthal in: Ballett Tanz International Jahrbuch 1999

Kuckart gelingt die Gratwanderung zwischen Groteske und verhalten melancholischer Trauerarbeit. Sie verrät ihre Protagonisten nicht, lässt ihnen bei aller Offenbarung Geheimnisse, die sie dem Leser lebendig, spannend, vieldeutig machen. Selbst George Tabori hätte seine Freude an dem Buch, so lakonisch, hemdsärmlig, neugierig und unprätentiös selbstverständlich hat sich bisher kaum ein Literat dem Thema Auschwitz genähert.
Wend Kässens Rezension zu »Lenas Liebe« in: DIE WELT 08.06.2002

Die Lektüre beginnt, wenn der Leser nein sagt. Er sagt nein zu Böwe (als Mensch), aber ja zu der Imaginationskraft, dem szenischen Erfindungsreichtum, mit dem diese auch für die Autorin offenbar weitgehend feindlich-negative Figur bis in ihre geheimsten Sperrzonen ausgeleuchtet wird. Ja zu der schneidenden Empathie, mit der Kuckart sondiert, was auch Döblin in seinen Romanen der zwanziger Jahre umtreibt: das Mysterium des Gewöhnlichen, der »Normalfall« Mensch.
Gabriele Killert Rezension zu »Kaiserstraße« in: Die Zeit, 16.3.2006

Von vergeblichen Liebesversuchen, von kläglichem Scheitern, von der Angst, verlassen zu werden, erzählt Kuckart mit bestrickend sinnlichen Sätzen: »Die Farbe meiner Haut verbündete sich mit der Farbe des Abends.« Sie schafft eine Gratwanderung, denn ihre Geschichten bleiben dicht an den Figuren und wahren dennoch die Distanz der Erzählerin.
Cord Beintman Rezension zu »Die Autorenwitwe« in: Stuttgarter Zeitung, 1.4.2003

Auf der Bühne habe ich die Sprache verweigert. Das war für mich Tabu. Vielleicht habe ich aber auch getrennt zwischen Bühne und Buch. Beim Schreiben ist es hingegen so, dass ich das, was an körperlicher Vitalität oder Energie da ist, vollständig in den Prozess des Schreibens hinein gebe. Nach zwei oder drei Monaten des Schreibens bin ich völlig verbraucht.
Judith Kuckart in: Ballett Tanz International Jahrbuch 1999

Ein Roman ist ein Spiegel, der sich auf einer grossen Strasse fortbewegt – das Motto des Buches stammt von Stendhal. Judith Kuckart hat ein genaues Gespür für szenische Fortbewegung, eine ausgefuchste Schnitttechnik und manchmal ein bisschen viel Übermut in den Metaphern.
Andrea Köhler Rezension zu »Kaiserstraße« in: Neue Züricher Zeitung 28.03.2006

Bibliografie
»Kaiserstraße«, DuMont Verlag, 2006
»Dorfschönheit«, DuMont Verlag 2006
»Die Autorenwitwe«, DuMont Verlag 2003
»Lenas Liebe«, DuMont Verlag 2002
»Der Bibliothekar«, Gatza bei Eichborn 1998

Judith Kuckart
Judith Kuckart ist in Schwelm bei Wuppertal geboren. In Köln und Berlin absolviert sie ihr Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften, 1982 Magisterabschluss. Daraufhin folgt eine Tanzausbildung in Düsseldorf und Essen (bei Hans Züllig). 1985 arbeitet sie am Choreographischen Theater Heidelberg (Johann Kresnik). Ein Jahr später gründete sie das Tanztheater Skoronel (Nach der Ausdruckstänzerin Vera Skoronel, die 1932 im Alter von sechsundzwanzig Jahren starb.) in Berlin. Zum Teil in Koproduktion mit großen Theatern entstehen insgesamt siebzehn Produktionen, für die Judith Kuckart Stoffe und Choreografien entwickelt sowie später auch Libretti und Stücke schreibt, die sie selbst inszeniert. Von Anfang an geht es Skoronel darum, Körpersprache und poetische Sprache als Einheit erfahrbar zu machen. Grundlage sind zunächst Texte anderer Autoren. Seit dem Stück »Charlotte Corday« (1989) und in den neunziger Jahren sind es fast immer Texte von Judith Kuckart, die zunehmend narrativen Charakter haben und wie »Last Minute, Fräulein Dagny« (1995) und »Melancholie 1 oder die zwei Schwestern« (1997) komplexe Geschichten erzählen.

Als Schriftstellerin wird Judith Kuckart 1990 bekannt. Ihre Tanz- und Theatererfahrung bleibt in ihrem Prosawerk sowohl in den erzählerischen Mitteln als auch in der Biografie der Figuren präsent. Auf ihren ersten Roman »Wahl der Waffen« (1990) folgen – jeweils im Abstand von vier Jahren – die Romane »Die schöne Frau« (1994), »Der Bibliothekar« (1998), »Lenas Liebe« (2002) und 2003 die Erzählungen »Die Autorenwitwe«. Daneben entstehen Hörspiele und Radio-Essays. Judith Kuckarts neuester Roman »Kaiserstraße« erschien im Frühjahr 2006 im DuMont Literatur und Kunst Verlag. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Regisseurin in Berlin und Zürich.

Zum Weiterlesen:
Judith Kuckart
www.judithkuckart.de