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Judith Kuckart |
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| Judith Kuckart hat als Choreographin
und Literaten den Grenzweg zwischen Körper und Text selbst beschritten.
Körperliche Präsenz im Text, politische Inhalte im Tanz, das
sind Themen ihrer Arbeit. Kuckart gelingt die Gratwanderung zwischen Groteske und verhalten melancholischer
Trauerarbeit. Sie verrät ihre Protagonisten nicht, lässt ihnen
bei aller Offenbarung Geheimnisse, die sie dem Leser lebendig, spannend,
vieldeutig machen. Selbst George Tabori hätte seine Freude an dem
Buch, so lakonisch, hemdsärmlig, neugierig und unprätentiös
selbstverständlich hat sich bisher kaum ein Literat dem Thema Auschwitz
genähert. Die Lektüre beginnt, wenn der Leser nein sagt. Er sagt nein zu
Böwe (als Mensch), aber ja zu der Imaginationskraft, dem szenischen
Erfindungsreichtum, mit dem diese auch für die Autorin offenbar
weitgehend feindlich-negative Figur bis in ihre geheimsten Sperrzonen
ausgeleuchtet wird. Ja zu der schneidenden Empathie, mit der Kuckart
sondiert, was auch Döblin in seinen Romanen der zwanziger Jahre
umtreibt: das Mysterium des Gewöhnlichen, der »Normalfall«
Mensch. Von vergeblichen Liebesversuchen, von kläglichem Scheitern, von
der Angst, verlassen zu werden, erzählt Kuckart mit bestrickend
sinnlichen Sätzen: »Die Farbe meiner Haut verbündete
sich mit der Farbe des Abends.« Sie schafft eine Gratwanderung,
denn ihre Geschichten bleiben dicht an den Figuren und wahren dennoch
die Distanz der Erzählerin. Auf der Bühne habe ich die Sprache verweigert. Das war für
mich Tabu. Vielleicht habe ich aber auch getrennt zwischen Bühne
und Buch. Beim Schreiben ist es hingegen so, dass ich das, was an körperlicher
Vitalität oder Energie da ist, vollständig in den Prozess
des Schreibens hinein gebe. Nach zwei oder drei Monaten des Schreibens
bin ich völlig verbraucht. Ein Roman ist ein Spiegel, der sich auf einer grossen Strasse fortbewegt
– das Motto des Buches stammt von Stendhal. Judith Kuckart hat
ein genaues Gespür für szenische Fortbewegung, eine ausgefuchste
Schnitttechnik und manchmal ein bisschen viel Übermut in den Metaphern.
Bibliografie Judith Kuckart Als Schriftstellerin wird Judith Kuckart 1990 bekannt. Ihre Tanz- und Theatererfahrung bleibt in ihrem Prosawerk sowohl in den erzählerischen Mitteln als auch in der Biografie der Figuren präsent. Auf ihren ersten Roman »Wahl der Waffen« (1990) folgen – jeweils im Abstand von vier Jahren – die Romane »Die schöne Frau« (1994), »Der Bibliothekar« (1998), »Lenas Liebe« (2002) und 2003 die Erzählungen »Die Autorenwitwe«. Daneben entstehen Hörspiele und Radio-Essays. Judith Kuckarts neuester Roman »Kaiserstraße« erschien im Frühjahr 2006 im DuMont Literatur und Kunst Verlag. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Regisseurin in Berlin und Zürich. Zum Weiterlesen: |