|
»Spannend, ein und dieselbe Sache von zwei Seiten zu betrachten.
Sprache ist jedoch nicht so leicht zu teilen. Stattdessen sollten wir
sie wie eine Mauer im Gedächtnis errichten, sollten häufiger
an der Mauer spielen, denn alles, was das Gedächtnis leistet, ist:
zu vergessen« Das Projekt: Idee, Ziele und Umsetzung Das Projekt eines »West-östlichen Diwan« begann im Herbst 2002, neue Formen der Literaturbegegnung zu entwickeln. Sein Ziel ist es, die wechselseitige Kenntnis der Literaturen in Deutschland und dem Nahen Osten zu verbessern. Deutsche Schriftsteller treffen Kollegen in arabischen Ländern, in der Türkei oder im Iran; diese erwidern den Besuch. Bei beiden Begegnungen lernen sie sich in ihrem Umfeld kennen, reisen durch das Land, halten gemeinsame Lesungen und schreiben über die Literatur und die Welt des anderen, jeder in seiner Sprache. Am Ende einer Begegnung entstehen zwei größere Essays. Nach mehreren Begegnungen soll aus den Essays der beteiligten Schriftsteller ein Buch entstehen, in dem deutsche Autoren Städte, Schriftsteller und kulturelle Schauplätze im Nahen Osten porträtieren und umgekehrt bekannte iranische, türkische bzw. arabische Autoren über die deutsche Literatur schreiben – ein westöstlicher Diwan (PDF). Die ersten Teilnehmer dieses Projektes waren der libanesische Lyriker Abbas Beydoun und der deutsche Schriftsteller Michael Kleeberg: sechs Wochen lang lebte Abbas Beydoun als Gast des Wissenschaftskollegs im Winter 2002 in Berlin. Michael Kleeberg erwiderte im Januar 2003 den Besuch mit einer Reise nach Beirut, wo ihn Abbas Beydoun in die kulturelle Szene einführte und gemeinsame Lesungen stattfanden. Aus beiden Begegnungen entstanden Publikationen: Michael Kleeberg veröffentlichte seine Erfahrungen in einem libanesischen Tagebuch unter dem Titel »Das Tier, das weint« und Abbas Beydoun in einem Gedichtband »Eine Saison in Berlin«. Inzwischen haben bis Herbst 2007 zehn weitere Begegnungen stattgefunden: beteiligt waren Miral al-Tahawi und Marica Bodrozic, Raschid al-Daif und Joachim Helfer, Abdallah Zrika und Ulrike Draesner, Edwar al-Charrat und Martin Mosebach, Elif Shafak und Ulrich Peltzer, Schahriar Mandanipur und Albert Ostermaier, Qassim Haddad und Ilija Trojanow, Gamal al-Ghitani und Ingo Schulze, Amir Hassan Cheheltan und Guy Helminger. Die palästinensische Autorin Adania Shibli traf sich im September 2006 in Berlin mit Judith Kuckart. Diese Begegnung wurde von dem Dramatiker Moritz Rinke in Ramallah im April 2007 fortgesetzt. Alle Begegnungen waren Anlass für Entdeckungen, die in verschiedenen Artikeln und Radiobeiträgen dokumentiert sind; es sind Freundschaften entstanden und Publikationen. Damit von diesen Begegnungen produktive Anstöße für die professionelle und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Literatur des Anderen ausgehen, sind Literaturvermittler und literarische Institutionen an dem Projekt beteiligt. Das Wissenschaftskolleg zu Berlin ermöglichte den Autoren bis 2005 Arbeitsgespräche und gemeinsame Seminare von Literatur- und anderen Kulturwissenschaftlern im Rahmen des Projekts »Cultural Mobility in nahöstlichen Literaturen«. Lesungen der Autoren finden – bei den einzelnen Begegnungen unterschiedlich – im Haus der Kulturen der Welt, bei den Berliner Festspielen, im Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD), in verschiedenen Literaturhäusern der Bundesrepublik und an anderen Einrichtungen der Kultur- und Literaturvermittlung in Deutschland statt sowie in den Goethe-Instituten im jeweiligen Heimatland der Gastautoren. Die Ergebnisse der Reisen werden in verschiedenen medialen Formen präsentiert: im Verlag C.H. Beck erscheint im Herbst 2007 die abschließende Publikation, der WDR 3 begleitet das Projekt mit Rundfunkbeiträgen, in deutschen und nahöstlichen Literaturzeitschriften, insbes. in der »Zeitschrift für arabische und deutsche Poesie Diwan« sowie in der vom Goethe-Institut herausgegebenen Zeitschrift »Fikrun wa Fann« (in arabischer Sprache), werden Übersetzungen der beteiligten Autoren zur Verfügung gestellt, das Kritische Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur wird alle GastautorInnen vorstellen. Projektträger, Kuratorium und Kooperationen Die Berliner Festspiele gehören von Beginn an zu den beiden Trägern des Projekts. Der zweite Träger war zunächst das Wissenschaftskolleg zu Berlin (Arbeitskreis Moderne und Islam). Es wurde im Herbst 2005 vom Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD) abgelöst, begleitete das Projekt aber weiterhin als Kooperationspartner. Der Strauß der verschiedenen Aktivitäten wäre nicht möglich ohne Beteiligung einer Reihe von Kooperationspartnern: die Goethe-Institute in der Nahost-Region sowie das Forum Goethe-Institut, das Haus der Kulturen der Welt, die Radio-Kulturwelle WDR 3, das Literaturhaus in Köln, das Kritische Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, die Zeitschrift für arabische und deutsche Poesie Diwan, sowie der Verlag C. H. Beck. Das Projekt wird von Thomas Hartmann und Alia Rayyan koordiniert. Die teilnehmenden Autoren werden von einem Kuratorium bestimmt. Dessen Mitglieder für die Begegnungen ab Herbst 2005 sind: Heinz Ludwig Arnold (Text + Kritik / Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur), Sven Arnold (Haus der Kulturen der Welt), Björn Blaschke (WDR), Navid Kermani (Publizist), Christine von dem Knesebeck (Forum Goethe-Institut), Friederike Pannewick (Universität Oslo), Joachim Sartorius (Berliner Festspiele), Stefan Weidner (Fikrun wa Fan) und Thomas Lier (Goethe Institut). Die Begegnungen wurden aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (2002–2003) sowie der Kulturstiftung des Bundes (2003-2007) gefördert. Kontakt |