Westöstlicher Diwan
Moritz Rinke Moritz Rinke

»Moritz Rinke schreibt über Dinge, die zu schön sind, um wahr zu sein. Dazu gehören Stars und ganz gewöhnliche Menschen wie du und ich. Ob als Dramatiker, als Erzähler oder als Mensch, der im Vorgarten sitzt und für eine langweilige Tageszeitung eine sehr kurzweilige Abhandlung über die Fruchtfliege schreibt, stets stürzt er sich mit ganzer Kraft ins Tagesgeschäft. Und im Tagesgeschäft reizen ihn die Momente, mit denen viele von uns nichts anfangen können. Was würden wir im Ostberliner Kaffee Burger machen? Höchstwahrscheinlich einmal hingehen und nie wieder. (…)
Moritz Rinke kann in ein paar leichten Sätzen die Allüren der Jungliteraten im Kaffee Burger und Auftritte der Voll-Stars mitten auf dem roten Teppich durchkneten, dass es eine helle Freude ist. Denn Moritz Rinke ist niemals ein gewöhnlicher Zyniker, Satiriker, Humorist, nein, dazu ist er viel zu gewitzt. Das Absurde ist seine Allee des Glücks, darauf schleift er alle, über die er sich lustig macht, und er macht es so, dass selbst seine Opfer es sehr genießen.«
V.A. in der Website zum Erlanger Poetenfest 2001

»Standen bei dem vorausgegangenen Text (›Republik Vineta‹)noch die deutsche Sozialdemokratie, die Arbeitswelt der ›Neuen Mitte‹ und das ›Ende der Arbeit‹ im Mittelpunkt seines kritischen Interesses, sind es jetzt die Grünen-Wähler, die Globalisierungsgegner und Utopisten; all jene, die sich in den achtziger und neunziger Jahren eine Veränderung der Welt zum Besseren erhofft hatten: Optimisten eben. Gnadenlos wie im vorausgegangenen Text schickt Rinke die Weltverbesserer auf einen Weg in die Hölle, und wieder nimmt, was als leichte, ironische Komödie begann, die denkbar härteste Wendung.«
Peter Spuhler über »Die Optimisten« in: Jahrbuch der Zeitschrift Theater Heute, 2003

»Moritz Rinke nimmt sich in seiner gewitzten Globalisierungs-Farce die Freiheit, die Phraseologie und Rituale westlicher Gutmenschen und scheinbar überlegener Betroffenheitstouristen ad absurdum zu führen. Seine Mittel: Scherz, Satire, Ironie – und eine tiefere Bedeutung.«
Christine Dössel über »Die Optimisten« in: Programmheft der Mülheimer Theatertage, Stücke 2004

»Am Ende entpuppt sich das Ganze als Psychotrick: Vom so genannten ›Outsourcing‹ betroffene Manager sollen durch das Scheitern dieses Projekts auf das harte Leben in der Realität vorbereitet werden. Überzeugend ist weniger diese kabarettistische Pointe als vielmehr die Schönheit der Figuren, die Rinke versammelt.«
Matthias Heine über »Republik Vineta« in: SPIEGEL ONLINE, 25.9.2000

»Rinke hält mit seinen ebenso poetischen wie intelligenten Bühnenphantasien dem Zeitgeist einen satirischen Spiegel vor«.
Der Tagesspiegel über »Republik Vineta«

»Die Vergeblichkeit des Seins, die Sinnlosigkeit des Daseins und die Rechercheverzweiflung der Autorenexistenz sind folglich immer wiederkehrende Grundmelodien der Texte Moritz Rinkes. Unterwegs auf der Insel Capri, um einem gerühmten Theater einen Besuch abzustatten, findet er zwar nicht das Gesuchte, dafür aber viele andere Abenteuer. Im Bemühen um einen Gesprächstermin mit Michael Naumann dringt er zwar nur telefonisch zur Sekretärin vor, schreibt aber dennoch einen sehr hübschen Text. Solche gezielten Themenverpassungen sind Prinzip, vielleicht ja sogar eine feuilletonistische Lebenshaltung, an die sich anknüpfen ließe. Man muß nicht immer da ankommen, wo man hinwollte.«
Jörg Magenau in: Rezension zu »Der Blauwal im Kirschgarten«, FAZ vom 4.12.2001

Theaterstücke
»Der graue Engel«, UA Schauspielhaus Zürich, 1996
»Der Mann, der noch keiner Frau Blöße entdeckte«, UA Staatstheater Stuttgart in Koproduktion mit Theater am Kirchplatz, Schaan, 1999
»Männer und Frauen«, UA Niedersächsisches Staatsschauspiel Hannover, 1999
»Das Stockholm-Syndrom«, UA Schauspiel Bonn, 1999
»Republik Vineta«, UA Thalia Theater Hamburg, 2000
»Die Nibelungen«, UA Sommer 2002, Festspiele Worms
»Die Optimisten«, UA Schauspielhaus, Bochum, 2003
»Cafe Umberto«, UA Schauspielhaus, Düsseldorf 2005
in Vorbereitung:
»Die letzten Tage von Burgund«, UA Nibelungen Festspiele Worms, 2007

Reportagen und Essays
»Das große Stolpern«, Reportagen, Köln 2005
»Der Blauwal im Kirschgarten«. Erinnerungen an die Gegenwart, Berlin 2001

Text in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche Geschichten«:
»Der Palästina Blues« ist veröffentlicht in: Tagesspiegel vom 15.4.2007

Moritz Rinke
wurde 1967 in Worpswede geboren; heute lebt er als freier Autor in Berlin.
Rinke studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen; gleichzeitig begann er, Kolumnen und Reportagen für die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit und Theater heute zu schreiben. Nach dem Studium arbeitete er von 1994 bis 1996 als Volontär, anschließend als Redakteur beim Berliner Tagesspiegel. Für seine Reportagen »Ein Tag mit Marlene« (1995) und über die Love Parade 1997 erhielt er zweimal den Axel-Springer-Preis. Eine Auswahl seiner Artikel veröffentlichte er in: »Der Blauwal im Kirschgarten. Erinnerungen an die Gegenwart« (2001) und »Das große Stolpern« (2005).
Seit Mitte der 90er Jahre schreibt Rinke Theaterstücke. »Republik Vineta«, im Jahr 2000 am Thalia Theater in Hamburg uraufgeführt und an zahlreichen Bühnen im In- und Ausland nachgespielt, wurde in der Kritikerumfrage der Zeitschrift »Theater heute« zum »Besten deutschsprachigen Theaterstück 2001« gewählt. Seine Neufassung der Nibelungen, in Worms bei den Festspielen 2002 vor dem Dom uraufgeführt, erreichte im ZDF eine halbe Million Zuschauer. Seine neuesten Theaterstücke sind »Die Optimisten« (Uraufführung 2003 am Schauspielhaus Bochum) und »Café Umberto« (Uraufführung 2005 am Düsseldorfer Schauspielhaus). Bei den Wormser Festspielen im Sommer 2007 ist eine weitere Uraufführung geplant: »Die letzten Tage von Burgund«. Die Theaterstücke sind im Rowohlt-Verlag erschienen.
2003 gehörte Rinke zur Autorengruppe für den Film »September« (Regie: Max Färberböck), in dem er auch selber mitspielte. Sein Stück »Republik Vineta« wurde verfilmt und soll im Herbst 2007 in Deutschland in die Kinos kommen.

Zum Weiterlesen:
Moritz Rinke
Rezensionen zu »Republik Vineta« und »Die Optimisten«
>> www.goethe.de