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Ingo Schulze© Jürgen Bauer |
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| »Schreiben ist
ein enormes Abenteuer – wie Lesen. Wenn die Motive in Bewegung geraten
und man im Dialog mit ihnen ihrem Lauf folgt, kann Schreiben wie Lesen
sein. Und manchmal ist Lesen wie Schreiben, wenn man das Buch vor sich
wie eine Partitur aufgeschlagen hat und den Motiven nachspürt und
sie wie ein ganzes Orchester für sich zur Aufführung bringt.« lngo Schulze, »Lesen und Schreiben«, in: Ute Christine Krupp und Ulrike Janssen (Hrsg.], »Zuerst bin ich immer Leser. Prosa schreiben heute.«, Frankfurt am Main, 2002 »Rund 750 Seiten braucht lngo Schulze,
um den Stoff den diese biographische und weltpolitische Zäsur bietet,
aufzubereiten. Kein Abschnitt dieser anekdotenreichen und lebensprallen
Geschichte ist langweilig. Zunächst wirkt Schulzes Prosa zwar ein
bisschen spröde. Doch er schafft es von Brief zu Brief Spannung
und einen großen epischen Bogen aufzubauen. (...) „Neue
Leben“ steht in der Tradition des Künstlerromans und variiert
den klassischen Konflikt zwischen Künstler und Bürgertum im
DDR Ambiente.« »Denn der Schriftsteller lngo Schulze misstraut dem Sympathischen
selbst und freut sich an der Erfindung uneindeutiger Charaktere. Im
Bösen kennt er sich aus. Aber er setzt nicht Böse und Böse
zusammen. lngo Schulze erweist sich in ›Neue Leben‹ als
Meister des Mehrdeutigen. Das Böse und das Naive – an diesem
Zusammenprall ist er interessiert. (...) Platte Kritik am alten Osten
und neuen Westen wäre läppisch, solche Abrechnungen wurden
längst geschrieben – ›postdissidentisch‹ –
lngo Schulze schüttelt energisch den Kopf, das wollte er, das will
er nicht. Er hintertreibt in seinem Schelmenroman das Eindeutige und
die Käfer im lächerlichen Netzwerk der Macht kriechen mit
kleinen Bewegungen aus den Löchern in ›Neue Leben‹.« »›Neue Leben‹ ist ein vergnügliches, kluges,
unfassbares, ausführliches Buch über das Scheitern –
über die Lächerlichkeit. Jämmerlichkeit, Sinnlosigkeit
des Lebens in der DDR; die ›verwahrloste Intimität‹
im Theater, wo der Held von genialistischen Regisseuren kaum wahrgenommen,
aber gnadenlos geduzt und umarmt wird; über das Niederzwingen eines
maroden Systems mit schwerfälligen Parolen wie ›Neues Forum
zulassen‹ und über die Scham, plötzlich in einer kapitalistischen
Welt nach Anzeigenkunden jagen zu müssen.« Bibliografie Text in Anthologie »Zwischen Berlin
und Beirut – west-östliche Geschichten«: Ingo Schulze Schulze erhielt mehrere Preise, u.a. 1995 den Alfred-Döblin-Förderpreis, den Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und den Aspekte-Literaturpreis, 1998 die Johannes-Bobrowski-Medaille zum Berliner Literaturpreis, 2001 den Joseph-Breitbach-Preis (gemeinsam mit Dieter Wellershoff und Thomas Hürlimann). Zum Weiterlesen:
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