Westöstlicher Diwan
Adania Shibli

»Reality now is too frightening, impossible to grasp. Yet you could say that fiction becomes a kind of perversion.«
Adania Shibli

»Adania Shibli ist gegenwärtig einer der bekanntesten Vertreterinnen der neuen Schriftstellergeneration in der West-Bank. ›Realität ist heutzutage zu ängstigend und fast unmöglich zu fassen‹, sagt sie, ›Fiktion, jedoch, hat fast einen perversen Charakter.‹ Ihre Kurzgeschichte ›Staub‹ (2002) handelt von einem Tag im Leben einer jungen Frau. Sie geht zur Post in Jerusalem, um ein Packet loszuschicken, besucht eine Freundin in Ramallah und überlegt, ob sie sich Fleisch für das Abendessen kaufen soll. Ganz alltägliche Dinge. So scheint es. Aber dieser Alltag verlangt nach einen überlegten Menschen, der ruhigen Blutes und mit Gelassenheit durch den Tag kommen kann. Ein Alltag, der geprägt ist von politisch schwierigen Umständen. Der Leser kommt diesem Zwiespalt sehr nahe, nimmt an jeden einzelnen Gedanken, Überlegung, Argument und Widerspruch der Protagonistin teil, ohne Rücksicht - und bis zur Erschöpfung.«
Ahdaf Soueif in: The Guardian, 04 September 2004

»Shiblis Texte zeichnen sich durch eine fast spröde Sprache aus, die den Leser unmerklich in utopische, surreale Situationen lockt, um ihn dann voller Erstaunen am Ende in die Realität zu entlassen.«
aus: Ankündigung der Lesung mit Adania Shibli während der Frankfurter Buchmesse 2004

»Die jungen palästinensischen Schriftsteller müssen ihre Legitimität nicht mehr dadurch behaupten, dass sie der ›Sache‹ dienen. Stattdessen versuchen sie vielmehr bei sich zu bleiben. Sie wenden sich von den ehemals klassischen Themen ab und den alltäglichen Dingen zu – und schaffen dadurch eine andere Form der politischen Auseinandersetzung, die weitaus tiefer reicht.«
Ghassan Zaqtan, in: Bidoun, Herbst 2004

»Ihre Geschichten haben mich gleich im ersten Moment für sich eingenommen. Wie Lian Badr (bekannte palästinensische Gegenwartsautorin) es treffend formulierte, versucht ›Adania, wie die Mehrzahl der palästinensischen Autoren, trotz hässlicher politischer Umstände, ästhetische Formen zu kreieren.‹ Adania schreibt ohne zu verurteilen, auf eine fesselnde Weise und mit einer universalen Stimme über alltägliches Leben und Enttäuschungen. Ihr Triumph über die alltäglichen Dingen ist ein Triumph.«
Laila Lalami im Blog: moorishgirl.com, 29. Oktober 2004

Bibliografie (in deutscher Sprache)
»Schweigen«, in: Inamo, Spezialausgabe, Oktober 2004
»Zum ersten Mal fort«, in: Inamo, Spezialausgabe, Oktober 2004

Adania Shibli
Adania Shibli, geboren in Palästina 1974, gehört der jungen palästinensischen Schriftstellergeneration an. Ihre seit 1996 vorwiegend in Literaturmagazinen erschienen Texte, befassen sich mit präsizer Schärfe mit dem palästinensischen Alltag und normalen Beobachtungen und finden eine ganz eigene Art, die politische Situation wiederzugeben. Ihre Texte zeichnen sich durch eine fast spröde Sprache aus, die den Leser unmerklich in utopische, surreale Situationen lockt, um ihn dann voller Erstaunen am Ende in die Realität zu entlassen.

Ihre arabischen Texte wurden bisher bereits ins Französische, Englische, Deutsche, Italienische, Hebräische und Koreanische übersetzt. Shibli gewann zwei Mal den Young Writer’s Award Palestine, der A.M. Qattan Stiftung für ihre zwei Novellen »Masaas« (Touching, al Adab 2002), das ins Französische übersetzt wurde (Reflets sur un mur blanc (Actes-sud, 2004), sowie für die Novelle Kulluna Ba’eed Bethat al Miqdar ‘an al Hub (We Are All Equally Far From Love, al-Adab 2004).

Gegenwärtig vervollständigt sie ihr Doktorstudium in Medien und Kulturwissenschaften an der Universität East London. Jüngst arbeitete sie als Dramaturgin und veröffentlichte das Theaterstück »The Error«, welches von der New Company Gruppe am Tristan Bates Theater in London im Frühjahr 2005 aufgeführt wurde, sowie an der Universität von Massachusetts in diesem Jahr.