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Ilija Trojanow© Jürgen Bauer |
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| »Trojanows Gespür für
die tektonischen Veränderungen und Spannungen der Welt ist bewundernswert.
Er umspielt das Geheimnis seines Helden Burton, ›ohne es lüften
zu wollen‹, wie er im Vorspruch erklärt. Die Erzählung
läuft nicht linear, es ist auch keine postmoderne Dekonstruktion.
Vielmehr eine orientalisch inspirierte Verknüpfung von Zeichen und
Zeit. Und: keinerlei Romantik, kein Exotismus. Das ist die absolute Qualität
dieses Romans. für den man gut zu Fuß sein muss: die Sinnlichkeit,
mit der Trojanow das Beschwerliche, Verzehrende. Erdrückende. Erotische
des Reisens erfasst. Denn auch er besitzt die seltsame Gabe, in sich zu
ruhen in ständiger Unruhe, immer unterwegs.« Rüdiger Schaper in: Tagesspiegel März 2006 »Trojanow hat viel gesehen und erzählt. Sein Widerspruchsgeist
lässt nicht nach, das indische Gehabe um Zuständigkeiten.
Autoritätshierarchien oder Politgeplänkel zu hinterfragen.
Das tut er amüsiert oder genervt, je nachdem, und political correctness
ist ihm fremd genug, um sie nicht zur Fata Morgana machen zu müssen,
die in der Ferne lockt.« »Für mich ist Reisen ein Instrument, Inspiration und das
Thema des Schreibens, weil es auf eine richtige Art das Leben berührt,
weil das Leben wie die Literatur kathartisch ist. (…) das Reisen
von deinem Zuhause weg und zurück scheint für mich nicht das
wichtigste zu sein, aber dasjenige, was dir fremd war in ein zuhause
zu verwandeln, sinnlich, linguistisch.« »Je mehr ich gesucht und untersucht habe, desto weniger war ich
an meinen eigenen Gefühlen und an meiner Biographie interessiert.
Ich war fasziniert von der Möglichkeit, die eigenen Vorurteile
und Begrenzungen durch das Schreiben zu überwinden, wie man überrascht
und vielleicht sogar überrollt wird von dem, was während des
kreativen Prozesses herauskommt. Mehr und mehr ist Schreiben zu einem
Prozess geworden, das Ego zu bändigen. Je mehr wir in einer Monokultur
der Schnelllebigkeit und 3-Minuten Beiträgen leben, desto mehr
wird die Rolle des alles infragestellenden und vor sich hinschlendernden
Autors wieder notwendig.« Bibliografie (Auswahl) Text in Anthologie »Zwischen Berlin
und Beirut – west-östliche Geschichten«:
Ilija Trojanow Sein erstes Werk »In Afrika. Mythos und Alltag Ostafrikas« entstand 1994 nach einer längeren Reise durch den Kontinent. Es folgte 1996 »His Guardians of the Soil. Meeting Zimbabwe Elders«, dann »Hundezeiten« (1998) und »Der Sadhu an der Teufelswand« (2001). Trojanows beruflicher Weg erhält ein klares Profil: in der Bewegung zwischen den Ländern und Kulturen ist er Zuhause – für ihn ist es wichtig, dasjenige, »was fremd war, in ein zuhause zu verwandeln, sinnlich, linguistisch.« In seinen Büchern fängt Trojanow auf eine leichte und doch eindringliche Art die »tektonischen Veränderungen und Spannungen der Welt« ein. Der scheinbaren natürlichen Wechsel von Erlebtem und schriftlichen Erzeugnissen entwickelt einen Rhythmus, der zum Leben Trojanows passt. In Bombay verfasst er »An den inneren Ufern Indiens« (2003) und nach einer Pilgerfahrt gen Mekka »Zu den heiligen Quellen des Islams« (2004). Dabei gelingt es Trojanow, das scheinbar Fremde ohne Romantik oder abenteuerlicher Exotik mit nüchternen klaren Worten realistisch zu umschreiben. Mit seinem neusten Werk »Der Weltensammler«, das dem Leben des Kolonialoffiziers und Weltreisenden Richard Francis Burton gewidmet ist, gelingt es Trojanow dem Leser auf spannende und eindringliche Weise den Perspektivenwechsel nahezu legen, ohne dabei vorwurfsvoll oder erzieherisch zu wirken; oder wie es Karl Markus Gauss in der Süddeutschen Zeitung zusammenfasste: »So fremd uns die islamische oder die hinduistische Kultur anmuten, betrachtet man die Welt einmal von Bombay, Kairo oder von Bagamoyo an der Küste Ostafrikas aus, ist es der Westen, dessen Fremdheit zu staunen Anlass gibt.«
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