Westöstlicher Diwan
Ilija Trojanow Ilija Trojanow
© Jürgen Bauer
»Trojanows Gespür für die tektonischen Veränderungen und Spannungen der Welt ist bewundernswert. Er umspielt das Geheimnis seines Helden Burton, ›ohne es lüften zu wollen‹, wie er im Vorspruch erklärt. Die Erzählung läuft nicht linear, es ist auch keine postmoderne Dekonstruktion. Vielmehr eine orientalisch inspirierte Verknüpfung von Zeichen und Zeit. Und: keinerlei Romantik, kein Exotismus. Das ist die absolute Qualität dieses Romans. für den man gut zu Fuß sein muss: die Sinnlichkeit, mit der Trojanow das Beschwerliche, Verzehrende. Erdrückende. Erotische des Reisens erfasst. Denn auch er besitzt die seltsame Gabe, in sich zu ruhen in ständiger Unruhe, immer unterwegs.«
Rüdiger Schaper in: Tagesspiegel März 2006

»Trojanow hat viel gesehen und erzählt. Sein Widerspruchsgeist lässt nicht nach, das indische Gehabe um Zuständigkeiten. Autoritätshierarchien oder Politgeplänkel zu hinterfragen. Das tut er amüsiert oder genervt, je nachdem, und political correctness ist ihm fremd genug, um sie nicht zur Fata Morgana machen zu müssen, die in der Ferne lockt.«
Kathrin Schmidt in: Freitag, 5. November 2004

»Für mich ist Reisen ein Instrument, Inspiration und das Thema des Schreibens, weil es auf eine richtige Art das Leben berührt, weil das Leben wie die Literatur kathartisch ist. (…) das Reisen von deinem Zuhause weg und zurück scheint für mich nicht das wichtigste zu sein, aber dasjenige, was dir fremd war in ein zuhause zu verwandeln, sinnlich, linguistisch.«
Präsentation von Ilija Trojanow auf: www.lettre-ulysses-award.org

»Je mehr ich gesucht und untersucht habe, desto weniger war ich an meinen eigenen Gefühlen und an meiner Biographie interessiert. Ich war fasziniert von der Möglichkeit, die eigenen Vorurteile und Begrenzungen durch das Schreiben zu überwinden, wie man überrascht und vielleicht sogar überrollt wird von dem, was während des kreativen Prozesses herauskommt. Mehr und mehr ist Schreiben zu einem Prozess geworden, das Ego zu bändigen. Je mehr wir in einer Monokultur der Schnelllebigkeit und 3-Minuten Beiträgen leben, desto mehr wird die Rolle des alles infragestellenden und vor sich hinschlendernden Autors wieder notwendig.«
Ilija Trojanow, Igniting the narrative engine. In the interrelation between research and prose writing

Bibliografie (Auswahl)
»Der Weltensammler«, Carl Hanser Verlag, München 2006
»Zu den heiligen Quellen des Islam«, Piper Verlag, München 2006
»An den inneren Ufern Indiens«, Carl Hanser Verlag, München 2003
»Der Sadhu an der Teufelswand«, Sierra Taschenbuch, Leipzig 2002
»Hundezeiten. Heimkehr in ein fremdes Land«, Carl Hanser Verlag, München 1999,
»In Afrika. Mythos und Alltag Ostafrikas«, Marino Verlag, München 1993
»Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton«, Frankfurt/M 2007

Text in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche Geschichten«:
»Der Golfplatz in der Wüste«, bisher unveröffentlichter Bericht von seiner Reise nach Bahrain im April 2006.

Ilija Trojanow
Ilja Trojanow, 1965 in Bulgarien geboren, hat eine ungewöhnliche Kindheit hinter sich. 1971 flüchteten seine Eltern nach Deutschland. Bereits ein Jahr später wanderten sie nach Kenia aus, wo Trojanow auf die deutsche Schule ging. Nach Beendigung der Schule ging er zuerst nach Paris und wechselte wenige Jahre später nach München, wo er Jura und Ethnologie studierte. Bereits 1989 gründetet er den Marino Verlag, der sich auf afrikanische Literatur spezialisierte.

Sein erstes Werk »In Afrika. Mythos und Alltag Ostafrikas« entstand 1994 nach einer längeren Reise durch den Kontinent. Es folgte 1996 »His Guardians of the Soil. Meeting Zimbabwe Elders«, dann »Hundezeiten« (1998) und »Der Sadhu an der Teufelswand« (2001). Trojanows beruflicher Weg erhält ein klares Profil: in der Bewegung zwischen den Ländern und Kulturen ist er Zuhause – für ihn ist es wichtig, dasjenige, »was fremd war, in ein zuhause zu verwandeln, sinnlich, linguistisch.« In seinen Büchern fängt Trojanow auf eine leichte und doch eindringliche Art die »tektonischen Veränderungen und Spannungen der Welt« ein. Der scheinbaren natürlichen Wechsel von Erlebtem und schriftlichen Erzeugnissen entwickelt einen Rhythmus, der zum Leben Trojanows passt. In Bombay verfasst er »An den inneren Ufern Indiens« (2003) und nach einer Pilgerfahrt gen Mekka »Zu den heiligen Quellen des Islams« (2004). Dabei gelingt es Trojanow, das scheinbar Fremde ohne Romantik oder abenteuerlicher Exotik mit nüchternen klaren Worten realistisch zu umschreiben.

Mit seinem neusten Werk »Der Weltensammler«, das dem Leben des Kolonialoffiziers und Weltreisenden Richard Francis Burton gewidmet ist, gelingt es Trojanow dem Leser auf spannende und eindringliche Weise den Perspektivenwechsel nahezu legen, ohne dabei vorwurfsvoll oder erzieherisch zu wirken; oder wie es Karl Markus Gauss in der Süddeutschen Zeitung zusammenfasste: »So fremd uns die islamische oder die hinduistische Kultur anmuten, betrachtet man die Welt einmal von Bombay, Kairo oder von Bagamoyo an der Küste Ostafrikas aus, ist es der Westen, dessen Fremdheit zu staunen Anlass gibt.«


Zum Weiterlesen:
Roman Bucheli: »Viktorianische Metamorphosen«, eine Rezension zu Ilija Trojanow »Der Weltensammler«; aus: Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 25. März 2006