![]() |
|
Abdallah Zrika |
|
| »Der marokkanische Poet Abdallah
Zrika gilt als einer der Wegbereiter einer modernen marokkanischen Lyrik.
Seine Poesie ist nicht greifbar, macht keine Zugeständnisse, ist
zugleich nobel und grob, gewalttätig, wahnsinnig wild.(…)
Einen wichtigen Hintergrund für seine Poesie bildet Casablanca,
doch handelt es sich dabei nicht um die Stadt, wie sie heute ist, sondern
um einen sehr intimen Ort, seine persönliche Topographie, die aus
Orten, Menschen und Worten besteht.(…) Diese Topographie ist keine
bloße Erinnerung, sondern bietet ihm eine andere Welt, in der
er träumen, in der er »Zrikas Poesie ist unprogrammatisches, regeloses und assoziatives
lyrisches »Ich weiß nicht recht. Das Einzige, was ich wirklich weiß,
ist, dass ich eines Tages beschloss, meinen Namen auszureißen,
ihn mit Gewalt aus meinem Körper zu entfernen. Ich weiß nicht
recht, wie es dazu kam, aber für mich ging das so: Ich habe alle
meine Kleider abgelegt und die Tür ein wenig geöffnet. Wie,
das weiß ich nicht. Ich wollte völlig nackt hinausgehen.
Ich wollte alles loswerden, wollte es wegwerfen wie Müll. Ich hatte
in diesem Augenblick das Gefühl, alle Menschen seien gegen mich,
ja selbst die Wörter mieden mich. Es war ein Gefühl, als ob
ich leer geworden wäre. Ein Gefühl von dröhnender Leere.« »Abdallah Zrikas Sprache ist eher schlicht, seine Gedichte sind
größtenteils umfangreiche Prosadichtungen, welche die Welt
mit ihren Bildern auf den Kopf stellen. Das Auge sieht nicht, das Licht
erhellt nicht, das Weiß flüchtet von der Wand. Zrikas Dichtungen
sind voller Bilder, die zumeist gegensätzlich oder widersprüchlich
sind, häufig absurd, geradezu kafkaesk.« Bibliografie Text in Anthologie »Zwischen Berlin und Beirut – west-östliche
Geschichten«: Abdallah Zrika In den 70er Jahren ein Idol der marokkanischen Jugend, 1978 inhaftiert, gilt Abdallah Zrika als einer der Wegbereiter einer modernen marokkanischen Poesie. Er hat eine arabophone Bildung genossen, Soziologie studiert und sein Lehrerexamen abgelegt, bevor er sich der Poesie wittmet. Seine Lyrik stellt einen Bruch mit der traditionellen hocharabischen Poesie dar, sowohl was die Sprache als auch was den Inhalt betrifft und ist mit seiner Laufbahn durchaus typisch für einen Teil der ersten Generation nach der Unabhängigkeit. Sie entstammten nicht der marokkanischen Bildungselite aus Fes, die sowohl für die arabophone als auch für die frankophone marokkanische Kultur und Literatur wichtige Grundsteine gelegt hat, sie sind nicht mehr dem Nationalismus ihrer Vorgängergeneration verpflichtet sondern der sozialen und auch politischen Realität, für die sie eine neue Sprache finden. Zrikas umfangreiches Lyriksammelband Bougies Noires erschien 1998 in einer zweisprachigen arabisch-französischen Ausgabe, die in Frankreich sehr positiv aufgenommen wurde und einen guten und umfassenden Überblick über seine Poesie bietet. Von Zrika selbst übersetzt sind die Petites Proses, kleine Prosastücke, die, sprachlich seiner Poesie eng verbunden, seine Worte und Assoziationen sehr eindrucksvoll in einen narrativen Rahmen stellen. Auch sein letzter Gedichtband Leitern der Metaphysik ist, von Zrika selbst übertragen, in Frankreich bereits erschienen und positiv aufgenommen worden. Abdallah Zrika lebt heute als freier Schriftsteller in Casablanca. Zum Weiterlesen: |